Es ist trocken – draußen, in der Natur. Geografisch jedoch eher im
Westen. Gab allerdings schon Jahre, da war es viel schlimmer, hier
bei uns im Osten zumindest. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Daß es so gut wie nicht regnet ist freilich belastend, bestreitet
keiner. Noch belastender allerdings ist jenes Geschrei von „nie
dagewesener Katastrophe“.
Bildquelle: Anderwelt-Verlag
Sie sind eine, das stimmt. Der Westen. Die Menschen
dort. Verwöhnt, verweichlicht, verblödet, mit immens
narzißtischem Einschlag. Kein Zufall, systembedingt. Als wir,
drei voll berufstätige Ostfrauen, mal am Abend in einem
Restaurant im (alten) Westen saßen, brüsteten sich einige der
Frauen dort in illustrem Kreis über die Jobs (und das Geld)
ihrer Ehegatten. Die unter uns gegenseitig zugeworfenen Blicke
hätten vieles unserer Gedanken verraten.
Dekadenz. Seelische und geistige Dürre. Solche Leute müssen
immer etwas Besonderes sein, auch wenn sie selber dazu nicht
beitragen. Die Schönsten, Größten, Besten, die daher auch stets
die größte Leistung vollbringen - und sei es im Leiden.
Es gibt aber Dinge, auf die haben wir generell keinen Einfluß.
Das Wetter wäre so etwas. Allgemein Naturgesetze. Wer
mit
der Natur lebt, weiß das. Aber wer tut das heute schon noch in
diesen „modernen Zeiten“. Da glaubt doch fast jeder, die ganze
Welt gehöre ihm. Kollektiver Größenwahn, so heißt die
zivilisatorisch betrachtet vor allem westliche Krankheit.
Narzißmus in höchster Blüte und Rückgang der Intelligenz und
mangels eigenem Inhalt Identifizierung mit... oh, da findet sich
schon.
Wir im Osten, erst recht unsere Eltern und Großeltern, waren da
anders. Klüger, realer, pragmatischer, bodenständig. Sagten
unter anderem früher bei solch Wetterlagen „Mist“, taten
dagegen, was uns möglich war (Bewässern zum Beispiel, viel
Hacken, auch große Felder), wir Kinder gingen ins Bad (damals
noch gefahrlos möglich), das wars dann. Ändern konnten wir's
Wetter eh nicht! Aber anpassen daran.
Der westliche Typus (den es aber auch in östlichen Gefilden bald
massenhaft haben wird, sobald es nur auch dort lange genug
Reichtum gibt),
will nur. Daß Leben so ist wie er's
möchte. Und beim Wetter sogar wissen, wie es in Wochen, gar in
Monaten sein wird. Obendrein wird auch noch genölt, falls die
Vorhersage privat nicht in den Kram paßt. Und kommt es
anders, was logisch nahezu immer ist, werden Kübel mit Dreck
über den Vorhersagenden ausgegossen. Nur triffts da mal nicht
den Falschen. Wer macht denn auch so was? Die meisten, um viel
Geld zu verdienen. Dafür muß man natürlich auch „Vorgaben“
bedienen, aufgestellt von jenen, denen es erst recht nur um
sich, Macht und Geld geht. Und der Hinweis, daß es nur
Spekulation sei (Wozu überhaupt?), wird überhört, denn der
Mensch nimmt nur wahr, was er wahrnehmen
will. Müßte
bzw. könnte man aber wissen.
Auf diese Weise ist der Mensch freilich steuerbar und am
effektivsten funktioniert es über Gier und Angst. Im Zeitalter
der Medien keine sonderlich große Sache, im Gegenteil. Der ganze
Scheiß, wie er jetzt ist, hat doch auch erst so richtig
angefangen, seit „die Welt digital ist“ und Informationsfluß
damit ein Leichtes. An sich keine schlechte Sache, aber der
Mensch war mental noch lange nicht soweit, solch Möglichkeiten
und Technologien zu händeln, in seiner Entwicklung noch
viel zu weit hinten. Erst hätte er sich und seine Spezies und
Gesellschaft mental in den Griff kriegen müssen.
Das wäre
wichtig gewesen.
Und so strebt der Mensch so lang er lebt... ums dann, wenn's
erreicht ist, es aufs Spiel zu setzen, sogar ziemlich aktiv
dafür zu sorgen, daß es verschwindet, weils eben an Geist fehlt.
Allerdings auch kein Wunder, denn wenn einer nicht denken
muß,
um gut oder auch nur zu
überleben, macht ers nicht. Die
meisten zumindest.
Meine Eltern und Großeltern waren froh, daß der Krieg vorbei
war, Frieden herrschte, keiner mehr an die Front mußte, dort
elend verreckte. Vater und seine Eltern, daß sie endlich eine
Heimat hatten. Solches und ausreichend zu Essen war wichtig, ein
(möglichst eigenes) Dach über dem Kopf, die warme Stube im
Winter und die Gesundheit von Menschen wie Tieren. Pragmatische
Bauern mit pragmatischer Lebensweise auf dem Land. Reich war von
denen keiner. Und eben ganz andere Werte.
So bin ich aufgewachsen und so bin ich noch heute. Im Osten und
der DDR war das zu den Zeiten auch noch normal. Daß es z.B. nie
„alles“ gab, auch nicht zu Weihnachten als Kind. Daß man
improvisieren mußte, auch mal verzichten. Daß einer in der
Jugend fleißig lernt, wenn er was (Bestimmtes werden) will,
hernach seinen Job gut verrichtet, sich bemüht, egal bei was,
und dem mit miesem Charakter eins drüberzieht.
Heute? Seitenverkehrtes. Massenhaft. Ideale, die keine sind.
Werte, die nichts taugen. Dekadenz, Verwöhnung, Frechheit und
Dummheit, wo man nur hinschaut.
„Die Doofen haben die Kontrolle übernommen. (…) Denn um an
wirkliche Machtpositionen zu kommen, muss man schon weit
übermäßig psychopathisch und geistig minderbemittelt sein.“
(Werner Roth)
So was kommt eben von so was. Zu schlecht und es geht schief,
bei zu gut aber genauso, denn bei beidem hört der Verstand auf.
Da kann nur herauskommen, was gerade ist: Dürre und nicht nur
draußen.
Fortschritt. „Rückwärts nimmer“. Letzteres sagte vor Jahrzehnten
mal einer, bei dem es dann ganz schnell rückwärts
ging.
Falsche Informationen von unten nach oben, weil der Mensch darin
auch noch nicht viel weiter war. Gier nach „mehr“, Ego, forciert
mit Hilfe westlicher Medien, etlichen U-Booten auch an höchster
Stelle - und schon wars passiert. Gib Dummen, Inkompetenten,
Nichtskönnern irgendwas in die Hand, womit sie „mehr“ sein
können als sie tatsächlich sind (vor sich selbst wie nach
außen), und sie entwickeln Unrealistisches. Ein Geldschein vor
der Nase hat bei solchen Leuten den gleichen Effekt wie die
Wurst an der Angel beim Vierbeiner.
„Hilf dir selbst“ - heute daher wieder angebracht. So wie es bei
meinen Vorfahren war, damals, vor allem in kapitalistischen
Zeiten. Denn eine gute Bildung, Infrastruktur, Bahn, Post usw.,
die sind heute zur Lachnummer geworden, „Amtliches“ genauso.
Kranke, Alte, bei Mensch wie Tier, können verrecken. „Mir doch
egal“. Oder „keine Leute“, sonst wird’s ja zu teuer, und die
Jungen... vergiß es. Keiner hält mehr für nötig, was früher
normal war: Etwas zu tun, wenn man irgendwas haben will.
Eine positive Veränderung ist (noch) nicht in Sicht, denn dazu
müßte es noch schlimmer kommen. Eine Garantie ist das aber auch
nicht, die Dürre im Kopf ist schon zu weit fortgeschritten.
Irgendwann wirds wieder regnen, logisch. Dann wird das Gras
wieder grün, Büsche und Bäume setzen fürs nächste Jahr an...
Der Bauer erntet, was „überlebt hat“, lagert ein, macht
Bestandsaufnahme, bereitet die Saat fürs kommende Jahr vor. So
hielten es meine Eltern, die Großeltern, so halte auch ich es -
im Garten.
„Medial“ trete ich kurz, denn mit Würsten an der Angel habe ichs
nicht. Der Zweck ist überall und bei jeder Angel derselbe: „Tue,
was ich will und mir zugute kommt, mir selber, wem sonst.“
Profit. Halt Kapitalismus. Wer das weiß, den verarscht man nicht
so einfach. Gegen Dürre im Hirn gibt’s natürlich auch einige
Mittel. Denken zum Beispiel, nicht glauben. Denn wie der
aussieht - da hatte sich schon die Kirche versucht, mit lange
ziemlich viel Erfolg bei der Masse. Die Popen predigten Wasser -
und tranken Wein. Die dagegen aufstanden, genau wie gegen jene
anderen Schmarotzer namens Feudalherren, haben sie um die
Ecke gebracht, auch mit Hilfe der „gläubigen Masse“.
Das war vor fünfhundert Jahren. Und? Hat sich beim Menschen auch
nur etwas geändert? Lediglich der Gott ist heute ein anderer,
mehr nicht. Und ich frag mich, wann es endlich auch in den
Köpfen mal regnet – jenes so wichtige Hirn.
Bis bald.
See you soon